Wanderung des Geraer Wandervereins e.V.

Im Burgenlandkreis in Sachsen - Anhalt in Droyßig am 15. Oktober 2011

Geplant war eine kleine Wanderung mit Besichtigungen in Droyßig (Burgenlandkreis / Sa.-Anhalt). Nach dem Treff 8.15 Uhr neben der Berufsakademie in Gera ging die Fahrt mit PKW-Fahrgemeinschaften durch Bad Köstritz und Wetterzeube bis zum Start vor der ehemaligen Waldgaststätte in Droyßig (Nähe Sportplatz). Im Elstertal gab es streckenweise dichten Nebel, auf der Höhe von Droyßig empfing uns schon die Morgensonne.

Die Wanderung führte uns durch die Droyßiger Flurstücke "Mittelholz", "Tempelholz", "Streitholz" und "Kellerholz". Am Rande des "Tempelholzes" blickten wir in das nebelverhüllte Elstertal. Nach dem Frühstück unterwegs ging es zunächst zur Bartholomäuskirche. Hier gab uns Herr Pfarrer Roßdeutscher eine kurze Einführung in die Geschichte der Kirche und das Wirken des Templerordens in Droyßig. Danach hatten wir Gelegenheit zur Besichtigung der interessanten Kirche.

Weiter ging es zur Außenbesichtigung des Schlosses und zum Bärenzwinger. Für gesättigte und zufriedene Wanderer sorgte das Mittagessen im Schloßrestaurant. Interessante Fakten über Vergangenheit und Gegenwart von Droyßig, das Schloß und die Christophorus - Schule erfuhren wir durch Herrn Koschig (Heimatverein) in der Heimatstube im ehemaligen Kavaliershaus. Danach zeigte uns Herr Koschig die Schlosskapelle und Interessenten konnten zuletzt vom Turm des Schlosses auf die Umgebung schauen.

Nachdem gegen 15 Uhr wieder der Ausgangspunkt der Wanderung erreicht war, ging es per PKW wieder heimwärts. Damit ging für insgesamt 16 Teilnehmer ein schöner Wandertag mit Natur und Geschichte zu Ende, zumal es das Wetter gut mit uns meinte - nach Morgennebel und Fost am Morgen hatten wir einen sonnigen Tag.

.

In der Zusammenfassung einige kurze Angaben zur Region und der Strecke

Droyßiger Wald

Ein kleines Waldgebiet zwischen Wetterzeube und Droyßig (beide Burgenlandkreis / Sa.-Anh.). Durch den Wald führt die Verbindungsstraße zwischenden beiden Gemeinden und teilt den Wald in einen unteren und oberen Teil. Es gibt mehrere Wanderwege in beiden Waldteilen. Der Wald befindet sich jetzt in Privatbesitz, kann aber von Wanderern genutzt werden.

Droyßig

Eine kleine Gemeinde mit ca. 2000 EW. Droyßig ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Droyßiger-Zeitzer Forst und wurde zum Wohn -, Schul - und Erholungsort erklärt. Der Ort entstand etwa Ende des 8. Jh zunächst als sorbische Siedlung. Im Zuge der Ostexpansion, die im 10. Jh unter Heinrich I. begann, entstanden im Zeitraum 1115/1120 Befestigungsanlagen zur Sicherung eines Straßen-Kreuzungspunktes. 1170 erfogte die Ersterwähnung mit Burkhard von Droyßig als 1. Besitzer der Herrschaft. Ab 1190 war Albert von Droyßig der Inhaber (bis 1222). In den folgenden Jahrhunderten gab es mehrfache Besitzerwechsel durch Verkauf. Die Herrschaft Droyßig gehörte z.B den Reichsgrafen von Hoym (1578 - 1791) und Fürsten der Linie Reuß-Ebersdorf (1791 - 1839). 1839 erfolgte der Kauf durch Fürst Otto Victor von Schönburg-Waldenburg als Besitzer bis 1945.

Einige Angaben zu den sehenswerten Gebäuden:

# Schloß Droyßig

Anfang des 13. Jh. erbaut als Höhenburg mit umfangreichen Befestigungsanlagen zur Sicherung des oben genannten Sraßenkreuzungspunktes. Als Bauherr wird Albert von Droyßig angenommen, der im Dienste des Kaisers Friedrich I., Barbarossa, stand. Die Höhenburg Droyßig gilt als einzigartig in Deutschland. Beim Bau der Burg wurden Kenntnissse der Kreuzritter über moderne Befestigungsanlagen im Orient angewandt (doppelter Mauerring, Außenmauer mit 6 Halbtürmen, Graben, in der Mitte ein Turm). Mit dem Aufkommen von Feuerwaffen verlor die Burg aber ihre Bedeutung. Anfang des 17. Jh. erfolgte der Ausbau zum Schloß unter Christian Julius von Hoym. 1622 begann man unter Christian von Hoym mit dem Bau der Schloßkapelle. Dafür wurden Teile der ehemaligen Befestigungsanlage abgerissen. Der Innenausbau blieb durch den 30 jährigen Krieg unvollendet. Das Gebäude ist seit 1996 wieder für Besichtigungen geöffnet. Die Steinmetzarbeiten im Inneren der Kapelle sind von sehr hoher Qualität. Daher steht das Gebäude als Bauwerk von überregionalem Rang auf der Denkmalliste der UNESCO. Bis zum 19. Jh. wurde die Schloßanlage noch mehrmals umgebaut. Unter Fürst Otto Victor von Schönburg - Waldenburg erfolgten umfangreiche Baumaßnahmen. 1870 entstand aus einem Teil des Wallgrabens der Bärenzwinger. Seit dieser Zeit gehören Bären zu Droyßig. Zur Zeit leben hier die 2 Braunbären Aiko und Toni. Das Schloß ist von einem Park umgeben. Nach der Enteignung des letzten Besitzers (Schönburg-Waldenburg) 1945 erfolgte ab 1950 der Umbau zu Wohnungen. Jetziger Besitzer ist die Gemeinde Droyßig. Mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt wird das Schloß zur Zeit saniert und ist teilweise der Öffentlichkeit zugänglich. Interessenten an einer Besichtigung können bei der Gemeindeverwaltung (Tel. 034425/27575) anfragen; das Schloßrestaurant ist unter 034425/99979 erreichbar.

# Christophorus-Schule

Fürst Otto Victor von Schönburg-Waldenburg stiftete 1847 dem preußischen Staat (die Region gehörte gemäß Beschluß des Wiener Kongresses ab 1815 zu Preußen, vorher zu Sachsen) ein Seminar, die "Droyßiger Anstalten", zur Ausbildung junger evangelischer Frauen zu Lehrerinnen für höhere Töchter-Schulen. Es wurde 1852 eröffnet. Nach 1947 war die Anstalt Heimoberschule, danach Lehrerbildungsinstitut und ab 1958 Pionierleiterschule. Seit 1991 befindet sich dort ein Gymnasium unter der Trägerschaft des CJD.

# St. Bartolomäuskirche

Die Kirche ist eines der ältesten erhaltenen Gebäude in Droyßig. Sie bestand schon Anfang des 13. Jh. Sie war Bestandteil der Stiftung Alberts von Droyßig an den Templerorden. Die Schenkung wurde durch den Kaiser Friedrich II. bestätigt. Der Orden wurde 1118/19 zum Schutz christlicher Pilger in Pälestina gegründet. Nach der Auflösung des Templerordens 1312 durch den Papst gingen die Ordensmitglieder meist in den Johanniterorden über. Die Johanniter blieben bis 1588 in Droyßig. Beide Orden widmeten sich in der Region der Kranken - und Altenpflege sowie Bauten der Infrastruktur. In der Kirche befinden sich die Grabmale der Familien von Bünau (1413 - 1578 Besitzer der Herrschaft) und von Hoym.

Dietmar Hendel