Wanderung des Geraer Wandervereins e.V.

„Von Hartmannsdorf über Etzdorf nach Crossen“

am 06. Oktober 2012

Streckenlänge ca. 14 km

An diesem Tag war eine Rundwanderung mit Besichtigungen geplant. Nach dem Treff an der BA in Gera bewegten sich die Teilnehmer mit PKW - Fahrgemeinschaften bis zum eigentlichen Start in Hartmannsdorf bei Crossen. Dort gab es vom Wanderleiter zunächst eine kurze Einführung in die Geschichte der Region. Anschließend erfogte auf dem Etzdorfer Weg der Anstieg auf die Höhe. Unter einer Gruppe alter Eichen wurde im Freien kurz vor Etzdorf das Frühstück eingenommen.

Weiter ging es nach Etzdorf. In der Kirche war Kindertreff; und wir gesellten uns, wie vorher mit dem Pfarrer abgesprochen, dazu. Durch Herrn Pfarrer Katzmann gab es eine interessante Einführung in die Geschichte des Dorfes und die Rolle der Familie von Etzdorf. Nach einem kleinen gemeinsamen Gesang mit der Kindergruppe mussten wir uns verabschieden.

Noch ein kurzer Abstecher zur siebenarmigen Pfarrlinde, eine frühere Tanzlinde, am Dorfrand - dann erwartete uns die Etzdorfer Hofschenke. Wegen des Herbstfestes war zwar keine Vorbestellung von Plätzen im Restaurant möglich, aber auf dem Gelände waren genügend Stände mit Essen und Getränken aufgebaut - daher konnte jeder satt werden.

Der Rückweg führte durch das Rosental zunächst nach Crossen. Hier besichtigten wir eine weitgehend unbekannte Sehenswürdigkeit - das Kindergartenmuseum, welches von Frau Eva Schaller als private Sammlung geführt wird. Durch Frau Schaller, eine ehemalige Kindergärtnerin, gab es ausführliche und objektive Erklärungen über den Alltag der Kinder in einem DDR - Kindergarten und die pädagogischen Bemühungen der Betreuer. Nach der Besichtigung war unsere Gruppe zum Kaffeetrinken eingeladen - in einem Gästezimmer war für uns liebevoll eine Kaffeetafel gedeckt. Frau Schaller hatte 3 Kuchen gebacken und Kaffee gekocht, wofür wir uns mit einer Spende bedankten.

Gut gestärkt bewältigten wir noch die letzte Strecke bis Hartmannsdorf durch ein Stück Wald. Insgesamt waren 15 Teilnehmer auf der ca. 14 km langen Strecke bei angenehmen Herbstwetter (trocken, wolkig - teils sonnig, ca. 16 °C) unterwegs.

Einige Angaben zur Strecke:

Hartmannsdorf

Eine Gemeinde am Übergang des Raudatales in das Elstertal. Zur Sicherung des Flußüberganges einer Handelsstraße entstanden im 10. Jh. in Hartmannsdorf und im gegenüberliegenden Silbitz kleine Burgen. Aus der Hartmannsdorfer Wasserburg, wurde ein Rittergut. Zum Gut gehörten weitere Einrichtungen wie Schmiede, Mühle, Ziegelei und ein Dorfgasthof. Der Ort lag in einem Länderdreieck; ab 1815 zwischen Preußen, dem Fürstentum Reuß und dem Herzogtum Sachsen - Altenburg. Hartmannsdorf gehörte zu Sachsen - Altenburg. Es gab bis 1870 eine Einnahmestelle für Wegegeld. Das große Herrenhaus mit Wassergraben und Park entstand ab 1723. Nach 1945 bis 1990 gab es ein VEG. Ab 1995 ist das Gut wieder in Privatbesitz und wurde saniert.

Etzdorf

Ein Rodungsdorf auf der "Heide", einer Hochfläche zwischen Crossen und Eisenberg. Die Gründung erfolgte durch thüringische und fränkische Siedler ; erste Erwähnung des Dorfes 1219. Die Entwicklung des Ortes wurde durch das Adelsgeschlecht "von Etzdorf" geprägt, woher auch der Dorfname stammt. Dem Ministerialiengeschlecht, nachweisbar ab 1194, gehörten das Rittergut und das Dorf. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Gut 1837 an Herzog Georg von Sachsen - Altenburg verkauft. 1945 erfolgte die Enteignung des Rittergutes, das ehemalige Herrenhaus wurde 1950 Altenheim. Die Kirche entstand 1777 - 79 anstelle eines Vorgängerbaus aus dem 14. Jh. In der Kirche befinden sich die Wappen der Familien von Etzdorf und von Klitzing (Familie der Gattin im Jahr der Grundsteinlegung). Die Agrargenossenschaft entstand nach der Wende aus dem ehemaligen VEG, sie ist zertifiziert als "Betrieb der umweltverträglichen Landbewirtschaftung".

Crossen

Eine Gemeinde mit ca. 2500 Einwohnern im Tal der Weißen Elster. Im Zuge der deutschen Besiedlung unserer Region unter Heinrich I. und Otto I. im 10. Jh. entstanden im späteren Crossen und auf dem gegenüberliegenden Mühlberg Burganlagen als Bollwerke gegen die Slawen. Das Castrum Crozna und die Nickelsburg auf dem Mühlberg bildeten ein Burgenpaar. Der Ort Crossen entwickelte sich im Schutz der Burgen an einer Elsterfurt. Erstmalig wurde der Ort urkundlich erwähnt, als am 2.4.995 der Kaiser Otto III. dem Zeitzer Bischof Hugo II. den Gau Ponzowa mit "Crozna" schenkte.

Schloß: Während die Nickelsburg auf dem Mühlberg im 12 Jh. aufgegeben wurde und verfiel, blieb die Crossener Burg mehrere Jahrhunderte unter der Verwaltung der Bischöfe von Zeitz-Naumburg. Nach der Säkularisierung 1555 kam das Schloß unter Verwaltung von Kurfürst August von Sachsen. Erster Besitzer war ab 1585 Wolf Ernst von Wolframsdorf, er ließ ab 1588 die Burg unter Beibehaltung des alten Bergfriedes fast neu aufbauen; ab 1624 gibt es die Bezeichnung als Schloß. In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Schloß mehrfach den Besitzer. Ab 1953 bis 1991 war das Schloß Lehrerbildungsinstitut; es ist jetzt in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.

Kirche: Die Crossener Kirche entstand etwa 1280.Sie ist dem Heiligen Michael geweiht. Ab 1604 erfogten durch Wolf-Ernst von Wolframsdorf und später seinen Sohn Erneuerungen und Anbauten.

Kindergartenmuseum: Eine wenig bekannte, aber sehenswerte Einrichtung ist die private Sammlung von Frau Eva Schaller. Sie rettete Gegenstände aus ehemaligen Kindergärten der DDR vor der Vernichtung und gestaltete in einem Raum ihres Gehöftes eine interessante und objektive Schau über den Kindergartenalltag.

Dietmar Hendel