Unsere Wanderung im Zeitzer Forst

am 18. Oktober 2014 von Dietmar Hendel

Der Zeitzer Forst ist trotz seiner Nähe für viele Geraer eine wenig bekannte Region. Neben anderen Vereinen führt deshalb auch unser Verein dort regelmäßig Wanderungen durch. Seitdem die Bahn in Haynsburg nicht mehr hält, ist allerdings die Anreise problemlos nur noch mit PKW möglich. So trafen sich am angegebenen Termin um 8.30 am Weg der Freundschaft (Parkplatz vor der Berufsakademie Gera) 16 Wanderfreunde zu einer kleinen Tour durch den Zeitzer Forst.

Die Fahrt führte über Aga und Lonzig bis zu einem Parkplatz in Breitenbach. Vom Parkplatz ging es ab 9.00 Uhr zunächst zum Anger, dort sind kleine Modelle der ehemaligen Reichsburg und der Kemenate (hier genannt Kempe) aufgebaut. Vom Wanderleiter gab es eine kurze Erklärung zur Geschichte der Region. Danach wurden die Stellen der ehemaligen Bauwerke im Wald aufgesucht. Es gibt Infotafeln und wer mehr wissen möchte, kann dies im Heimatmuseum Zeitz (Moritzburg) erfahren.

Im Anschluss an die Geschichte empfing uns das Waldgebiet oberhalb des Ossiggrundes. Die Lehrpfade sind gut beschildert und es gibt viele Informationen zu Flora und Fauna des Gebietes. Der erste Vormittagsteil endete in Ossig. Nach einem Ortsrundgang und Besichtigung der Kirche wartete das Mittagessen im Ratsstübel. Wegen eines Festes im Nachbardorf hatte die Gaststätte zwar geschlossen, aber nach vorheriger Anmeldung wurde für uns Wanderer ein schmackhafter Kesselgulasch gekocht - auch ein weiterer Sonderwunsch konnte erfüllt werden. Dafür bedanken wir uns hiermit nochmals.

Der zweite Teil der Wanderung führte uns zunächst durch den Ossiggrund bis zur ehemaligen Schneidemühle und einen schönen Waldweg bergauf wieder zum Ausgangspunkt zurück. Insgesamt wanderten wir ca. 11 km. Das Wetter meinte es gut mit uns - wir konnten den schönen Herbstwald bewundern. Dank der guten äußeren Bedingungen und der Disziplin der Teilnehmer war es eine gelungene Veranstaltung und wir fuhren nachmittags zufrieden nach Hause.

In der Zusammenfassung einige kurze Angaben zur Region und zur Strecke

Zeitzer Forst

Ein Mischwaldgebiet zwischen Gera und Zeitz. Aus Funden geht hervor, dass hier bereits vor über 20 000 Jahren Menschen lebten. Die deutsche Besiedlung begann etwa um 800 - 900. Der Forst war einst königlicher Wald und kam später in den Besitz der Naumburger Bischöfe. Im 17. Jh. war er Jagdgebiet der Herzöge von Sachsen - Zeitz. Vor dem 2. WK war er bekanntes Ausflugsgebiet mit der Schneidemühle (frühere Sägemühle) als Ausflugsgaststätte (jetzt geschlossen). Nach 1945 war ein großer Teil Truppenübungsgebiet der Roten Armee und deshalb gesperrt. Auch jetzt ist wegen Munitionsresten im Wald nur ein Teil freigegeben (östlich der Straße Breitenbach - Lonzig sowie bei Koßweda und Nickelsdorf). Durch das Waldgebiet im östlichen Teil führt der Ossiggrund, durch den die Aga fließt (sie mündet bei Raba in die Elster). Es gibt hier markierte Wanderwege und Lehrpfade.

Breitenbach

Ein Dorf in der Verwaltungsgemeinschaft Droyßiger - Zeitzer Forst am Rande des Zeitzer Forstes. Wegen seiner Lage ist es als Naherholungsgebiet beliebt, genannt auch "Zeitzer Schweiz". Von geschichtlichem Interesse sind die Reste der Reichsburg und der Kempe neben dem Dorf.

Reste der Reichsburg in Breitenbach (Kulturdenkmal)

Gegründet um 1130 zur Regierungszeit Conrad d. III. durch den Ritter Euenrados de Breitenbuch - daher der Ortsname. Anfangs stand nur ein befestigtes Jagdhaus, danach erfolgte der Ausbau zur Burg. Sie diente zusammen mit anderen Burgen zum Schutz der Kaiserpfalz in Kayna und als Grenzsicherung für die im 10. Jh. eroberten slawischen Gebiete. Nach mehreren Bränden wurde die Burg ca.1270 aufgegeben, jetzt sind noch Reste des Burgwalls vorhanden.

Reste der Kempe in Breitenbach (Kulturdenkmal)

Erbaut ca. 1288 aus den Rest-Steinen der Reichburg als Wohnturm und Zufluchtsort (Grundriss ca. 10 x 23 m) mit ehemals 5 Stockwerken. Damit sollte die Funktion der Burg übernommen werden. Letzter Bewohner war 1536 ein Bischof Philipp, danach begann der Verfall. Die Verwaltungs-und Schutzfunktion ging an die Haynsburg über. Mauerreste der Kempe sind vorhanden.

Ossig

Ortsteil von Schellbach am Rande des Zeitzer Forstes, gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Droyßiger - Zeitzer Forst. Bekannt wurde Ossig durch die Märzenbecherwiesen im Grabeholz und das "Ossiger Kinderfest". Letzteres geht auf den Maurergesellen Johann-Gottlieb Rößler zurück. Er lebte von 1798 bis 1864 in sehr bescheidenen Verhältnissen und blieb bis zum Tode ledig. In seinem Testament hinterließ er der Schule 500 Taler mit der Auflage, dass mit der Hälfte der Zinsen jährlich ein Kinderfest stattfinden soll. Seit 1864 besteht diese Tradition. Jährlich findet in der 2. Julihälfte eine Festwoche statt, auch wenn das Vermögen nicht mehr existiert. An Interessantem gibt es in Ossig weiterhin mehrere alte Fachwerkhäuser (davon eine alte Schule), eine schöne romanische Dorfkirche, das Rößler-Denkmal und eine alte Dorflinde. In der Kirche liegt zum Lesen Infomaterial über die Kirche und Herrn Rößler.