Die Berge rufen – zum 3. Mal nach Galtür

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Nachdem wir schon 1999 und 2001 (sogar in zwei Durchgängen) diesen schönen Ort im Paznauntal besuchten, waren die Mitglieder des Geraer Wandervereins der Meinung, dass es noch vieles auf den Bergen und in den Tälern rund um Galtür (1600 m) zu entdecken gibt.

Auch unsere Gäste von anderen Wandervereinen beteiligten sich wieder an unserer Fahrt. So kamen mehr als 40 Wanderfreunde zusammen, die sich mit einem Reisebus auf die Fahrt von Gera nach Galtür begaben. Wie immer wohnten wir in der Pension „Gampeler Hof“ und wurden gleich bei der Ankunft von den Wirtsleuten Anita und Magnus Kurz herzlich begrüßt, wie eben alte Bekannte. Einige Wanderfreunde mussten in benachbarten Pensionen untergebracht werden, weil unsere Gruppe zu groß war. Aber alle Mahlzeiten und Veranstaltungen fanden im Gampeler Hof statt, und am Abend bewunderten wir den erweiterten und neu gestalteten Speise- und Gastraum. Von dem vielfältigen und sehr schmackhaften Speisenangebot waren wir gleich wieder zum Abendessen begeistert. Nachdem wir unsere gemütlichen und freundlichen Zimmer mit schöner Aussicht auf die Berge bezogen hatten, war ein Rundgang durch Galtür angesagt. Nach der langen Busfahrt tat die Bewegung richtig gut!

An unserem ersten Wandertag zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Während wir uns ausgiebig das Frühstück schmecken ließen, hatte unser Wanderleiter Franzl für uns alle die Montafon-Silvretta-Card besorgt. Da wir öfter die Bergbahnen, öffentliche Verkehrsmittel, Museen, Hallenbad usw. benutzen wollten, wirkte sich dies sehr günstig auf die Urlaubskasse aus. Wir fuhren also mit dem Postbus zum Ausgangspunkt unserer Eingewöhnungstour, zum Zeinissee. Von hier ging es stetig bergauf zur Verbella-Alpe (1930m), wo wir unsere erste Ruhepause einlegten. An dem idyllisch gelegenen Wiegensee vorbei, kamen wir zur Kopfstation der Tafamunt-Bahn und hatten einen schönen Ausblick auf Partenen und ins Montafon. Mit der Tafamunt-Bahn ging’s ins Tal und mit der Vermunt-Bahn wieder in die Höhe. Man hätte auch die Europatreppe (4000 Stufen, 700m Höhe) benutzen können! Von der Bergstation Trominier aus wanderten wir bei angenehmer Kühle durch den Wasser-Erlebnisstollen Vermunt. An verschiedenen Stationen konnten wir der schauerlichen Geschichte vom goldgierigen König Midas lauschen. Mit entsprechender Licht-Technik wurden phantasievolle Gebilde zum Thema Wasser, Gebirge und Geschichte vorgeführt. Am Ende des ehemaligen Transportstollens sahen wir den Vermuntsee liegen und blickten außerdem auf die zahlreichen Kehren der Silvretta-Hochalpenstraße. Zum Abschluß dieser Tagestour machten wir mit dem Bus einen Abstecher zum Silvretta-Stausee (2030m) und konnten dort Gleitschirmflieger beobachten.

Die zweite, etwas schwierigere Wanderung führte der Wirt Magnus und hatte genauso schönes Wetter bestellt. Von der Bergstation der Diasbahn in Kappl ging es auf dem Kieler Weg in Richtung Niederelbehütte (2300m) in der Verwallgruppe. Wir mussten uns streckenweise sehr auf den steinigen Weg konzentrieren, aber wir haben auch viele Stellen mit herrlichen Alpenrosen und anderen blühenden Pflanzen der Alpenregion gesehen. Kurz vor der Niederelbehütte hatten wir eine steile Wegstrecke zu bewältigen. Neben dem Weg stürzte ein Gebirgsbach mit lautem Getöse in die Tiefe. Vor oder in der Niederelbehütte war eine größere Pause angesagt, einige unserer Wanderfreunde hatten noch Lust auf die Besteigung des Kappler-Kopfes (2404m). Von hier aus konnte man das äußere Paznauntal mit den Orten Kappl und See gut überblicken. Zum krönenden Abschluss des Tages fuhren wir mit der Birkhahnbahn in Galtür auf 1900m Höhe, um noch einen Blick auf unseren Urlaubsort und die umliegenden Berge zu werfen – ein herrliches Panorama!

Am nächsten Tag blieben die Wandersachen zurück in Galtür. Wir fuhren mit unserem Reisebus zunächst nach Samnaun (1800m) in der Schweiz, um den Ort zu besichtigen oder um lohnende, zollfreie Einkäufe zu tätigen. Weiter ging es über den Reschenpass nach Italien. Bei herrlichem Wetter fuhren wir am Reschensee entlang und sahen noch den Kirchturm vom „Atlantis der Berg“ aus dem See herausragen. Unser Ausflugsziel war jedoch Italiens kleinste Stadt Glurns mit nur 800 Einwohnern. Wir bummelten durch die Stadt mit ihren gut erhaltenen alten Häusern, besuchten die Kirche, liefen auf der Stadtmauer entlang und erfuhren dabei einiges über die Geschichte der Stadt. An den Eisdielen mit ganz vielen bekannten und unbekannten Kreationen konnten wir natürlich nicht einfach vorbeigehen!

Eine neue Wandertour führte uns abermals zur Diasbahn nach Kappl, aber an der Kopfstation teilte sich die Wandergruppe in die Gipfelstürmer und die „gemäßigten Wanderer“. Während die erste Gruppe den Rifflakopf (2680m) als Ziel hatte, ging die zweite über schöne Wald- und Wiesenwege zu den Kappler Bergwiesen und rückwärts über Oberhausen nach Kappl, wo wir eine wiedereröffnete Imkerei besichtigten. Wir wurden über Honigherstellung, -sorten und -verkauf aufgeklärt und erhielten eine Kostprobe. Nachdem wir nach Galtür zurückgekehrt waren und im Gampeler Hof unser mehrgängiges Abendmenü zu uns genommen hatten, freuten wir uns auf ein Blaskonzert mit vielen verschiedenen Teilnehmern auf dem Platz vor dem Rathaus. Leider zog ein starkes Gewitter herauf, so dass die Künstler und Zuschauer etwas nass wurden – schade!

An unserem letzten Wandertag fuhren wir zunächst in den bestens bekannten Wintersportort Ischgl, um mit der Silvretta-Bahn über den Flimsattel und mit der Flimjochbahn zum Ausgangspunkt unserer Tour zur Alp Bella zu starten. Diese Strecke war nicht schwierig, wir sahen schöne Wiesen und kleine Bäche und gönnten uns auf der Alp Bella (2380m), die in Graubünden liegt, eine Kaffee- bzw. Milchpause. Der Rückweg führte uns in ein Gebiet, wo es Bergkristalle geben soll. Leider fanden wir keine, dafür aber herrliches Edelweiß und die Wanderfreunde unserer Gruppe, die einen schwierigeren Weg über den Salaaser Kopf (2744m) gewählt hatten. Mit mehreren Bergbahnen ging es zurück ins „Tal“ nach Ischgl. Im Sommer gleicht das Skigebiet eher einer Mondlandschaft mit grünen Grasbüscheln. Wir konnten aber viele wohlgenährte Murmeltiere teils mit Nachwuchs sehen, die sich dort offensichtlich sehr wohlfühlten. Den Abschluss des Tages bildete ein Tiroler Abend mit Zithermusik und einschlägigen alpenländischen Melodien, und der Holzmichl durfte aber auch nicht fehlen! Es wurde eifrig mitgesungen, geklatscht und das Tanzbein geschwungen.

Am definitiv letzten Tag unserer Wanderwoche suchten wir uns aus, wonach uns der Sinn stand: Einige wanderten zur Friedrichshafener Hütte (2150m), die den meisten unserer Wanderfreunde schon bekannt war, andere gingen zur Jamtalhütte (2164m) und manche fuhren mit dem Postbus in andere Orte. Ich bin durch den Ort gebummelt und habe mir das Alpinarium von Galtür angesehen, das nach dem Unglück von 1999 errichtet wurde und in diesem Jahr die Ausstellung „Die Lawine“ zeigt. Neben der beeindruckenden Dokumentation des Lawinenunglücks wird viel allgemeines Wissen vermittelt über das Leben im Hochgebirge, die Lawinengefahr, die nie ganz gebannt sein wird und den Schutz vor diesen Naturgewalten.

Am Ende unseres Aufenthaltes (01.08.-08.08.04) wurde uns wieder klar, dass wir auch diesmal nur einen Teil der wunderschönen Umgebung Galtürs gesehen haben. Unsere Bergführer und Wirtsleute Magnus mit Anita und Franzl hatten sich abermals viel Mühe gegeben, Bergtouren für unterschiedliche Leistungsklassen anzubieten. Wir haben eine sehr abwechslungsreiche Woche verbracht und sagen ein herzliches „Dankeschön“ und „Auf Wiedersehen“ im Gampeler Hof bei Familie Kurz und ihren fleißigen Helfern in Galtür.

Sibylle Kühlich vom Geraer Wanderverein