Wanderung zum Alten Gleisberg

09.06.2001 mit dem GERAER WANDERVEREIN

Wissenswertes von der Strecke (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

PKW - Fahrgemeinschaften Gera - Bürgel und zurück

Beginn Parkplatz Bürgel - alter Sportplatz - Feldwege zum Kalbenberg - Abstieg nach Poxdorf - Teufelsgrund - Aufstieg zur Poxdorfer Höhe - Abstieg über d. Sonnenberg nach Graitschen - Aufstieg zum Alten Gleisberg - Abstieg über den Sattel nach Jenalöbnitz - über Feldwege nach Taupadel und Nausnitz - Wiesenweg zurück nach Bürgel

gesamt ca. 20 km; Einkehrmöglichkeit erst am Ziel in Bürgel. Abkürzung ist möglich durch Rückweg ab Graitschen über den alten Bahndamm nach Bürgel (Gesamtstrecke ca. 10 km - ohne Gleisberg).

Bei Interesse ist der Besuch des Keramikmuseums in Bürgel oder des Heimatmuseums gegenüber der Klosterkirche Thalbürgel möglich.

Die Landschaft im Wandergebiet wird geprägt durch die Muschelkalk berge (Gleisberge, Poxdorfer Höhe, Berge zum Saaletal) und das Flüßchen Gleise. Die Kalkberge sind Reste von Ablagerungen aus dem Meer vor ca. 200 Mio. Jahren. Auf dem kalkhaltigen Unter grund mit gutem Wärmespeichervermögen wachsen viele kalk- und wärmeliebende Pflanzen (teilw. Naturschutzgebiete).

Die Gleise entspringt in der Holzlandregion nahe Ascherhütte und fließt bei Porstendorf in die Saale. In früheren Zeiten wurde das Wasser zum Antrieb mehrerer Mühlen (Papier-, Öl- und Sägemühlen) genutzt.

Es gibt 3 Gleisberge:

- den Alten Gleisberg (343 m) bei Jenalöbnitz; auf dem Berg wurden Befestigungsanlagen aus der Bronzezeit gefunden

- den Kleinen Gleisberg (319 m), vom Alten Gleisberg durch einen kleinen Sattel getrennt

- den Großen Gleisberg (385 m) oberhalb Kunitz mit den Resten der Kunitzburg (früher Gleisburg genannt). Diese Burg wurde im 12. Jhd. unter staufischer Herrschaft gegründet (Castrum Glizberc) und 1451 im wettinischen Bruderkrieg zerstört.

Am Südwesthang des Gleisberges sowie in Jenalöbnitz und Taupadel gibt es Reste des Pfingstrosenanbaus, der vor über 300 Jahren begann. Der Anbau von Heilpflanzen erfolgte in Jenalöbnitz im Mittelalter, als man nach nichtabgabepflichtigen Nebenverdiensten suchte (Jenalöbnitz war der Stadt Jena gegenüber abgabenpflichtig).

Zu den Heilpflanzen gehörte damals auch die Pfingstrose in der Wildform aus Südeuropa (Paeonia officinalis), die Ende des 16. Jhd. von Mönchen in unsere Region eingeführt wurde (Medizin gegen Gicht und Epilepsie). An den Kalkhängen des Gleisberges entwickelten sich die Pflanzen sehr gut. Die Wildform wurde später durch die neugezüchtete volle Form ersetzt.

Erst nach dem 1. Weltkrieg wurden Pfingstrosen als Schnittblumen verkauft, bedingt durch einen Preisverfall bei Heilpflanzen und sinkender medizinischer Bedeutung der Paeonien.

Im Rahmen des Burgenbaus in unserer Region im 10. Jhd. unter Heinrich I. und Otto I. zur Zurückdrängung des slawischen Einflusses entstand auch auf dem Georgenberg (südl. Bürgel) eine Befestigungsanlage mit Namen Burgelin (=kleine Burg). Sie diente vor allem dem Schutz zweier Handelsstraßen, die unterhalb der Burg einen gemeinsamen Übergang über die Gleise hatten, einer Nord-Süd-Verbindung (Nürnberger Straße) von Nürnberg nach Naumburg-Merseburg und einer Ost-West-Verbindung von Jena nach Zeitz-Altenburg.

Bürgel (jetzt Kleinstadt mit ca. 2400 EW) entstand im 10 Jhd. als Marktsiedlung im Schutz des Burgelin (Name davon abgeleitet) an den genannten Handelsstraßen.

Weitere Daten: Stadtrecht vor 1216; 1234 als oppidum (Stadt) im Besitz des Klosters; planmäßige Anlage der Stadt; spätgotische Stadtkirche (15 Jhd.); 1660 Gründung der Töpferinnung - daraus entstand eine bedeutende Industrie; vor dem 1. Weltkriek bedeutende Stockindustrie; Reste der Stadtbefestigung mit Mauer und Badertor v. 1234

Thalbürgel (Ortsteil von Bürgel, ca. 850 EW), entstanden um das ehemalige Benediktiner-Kloster. Das Kloster wurde durch den Markgrafen der Niederlausitz, Heinrich von Groitzsch (ihm gehörten Ländereien von der Lausitz bis Thüringen, auch das Burgelin-Gebiet) im Jahre 1133 gestiftet. Errichtung der Gabäude etwa 1142 bis 1200 im romanischen Stil unter Einfluß der Hirsauer Bauschule. 1526 wurde das Kloster aufgehoben und verfiel. Im 19. Jhd. und 1965 bis 1972 erfolgten Arbeiten zur Restaurierung; ab 1971 Nutzung für Ausstellungen und Konzerte.

Diese Linie führte von Crossen über Eisenberg, Bürgel nach Jena. Die Teilstrecke bis Eisenberg wurde 1880 eröffnet, die Gesamtstrecke war ab 1898 befahrbar. Die Bahn trug zur Entwicklung der Industrie im Raum Eisenberg - Bürgel bei. Von Bürgel bis zur Saale verlief die Bahnstrecke im Tal der Gleise. Die Strecke Eisenberg - Jena wurde bereits in der DDR stillgelegt (letzte Fahrt des Zuges, im Volksmund "Esel" genannt, am 22.5.68) und die Gleisanlagen abgebaut, der Bahndamm ab Bürgel dient jetzt als Rad- und Wanderweg. Im Jahre 1998 erfolgte aus Wirtschaftlichkeitsgründen die Stillegung der Reststrecke (Gleisanlagen noch erhalten).