Chalkidiki – alte Dörfer, urige Tavernen und freundliche Menschen

von Sibylle Kühlich, Geraer Wanderverein e.V.

Wie in jedem Jahr so wurde auch 2005 eine Wanderwoche außerhalb Deutschlands eingeplant. Nachdem wir schon in Norwegen, Österreich, Italien (Südtirol + Gardasee), auf der portugiesischen Insel Madeira, in Kroatien gewandert sind, haben wir uns diesmal Griechenland ausgewählt. Vom 9. bis 19.05.05 war die Halbinsel Chalkidiki unser Reiseziel. Unsere Reisegruppe setzte sich vor allem aus Mitgliedern des „Geraer Wandervereins“ und Gästen anderer Wandervereine zusammen, insgesamt 26 Teilnehmer. Wir flogen zunächst von Frankfurt nach Thessaloniki. Am Flughafen wurden wir von unserem Wanderleiter Michael vom Reiseveranstalter „Wikinger individuell“ in Empfang genommen, und mit dem Transferbus ging es in Richtung unserer Unterkunft. Die Chalkidiki wirkt auf der Karte wie eine Hand, allerdings ohne Daumen und kleinen Finger. Etwa 40km weit schieben sich die drei „Finger“ in die Nord-Ägäis: die touristisch am besten erschlossene Kassandra im Westen, die ruhige Sithonia in der Mitte (unser Ziel!) und der Athos im Osten – eine in sich geschlossene Mönchsrepublik. Auf der Fahrt von Thessaloniki zu unserer Hotelanlage Athena Pallas / Elia Beach (ca. 10km nördlich von Neos Marmaras) sahen wir die typische Landschaft der Chalkidiki mit herrlich leuchtenden Mohnblumen.

Die Hotelanlage wurde 1998 erbaut, später erweitert und ist der Landschaft sehr gut angepasst. Mit unseren Unterkünften und der Verpflegung waren wir sehr zufrieden, gut gefallen hat uns der direkte Zugang zum Meer, wie auch die beiden in der Anlage gelegenen Pools. Nach dem Wandern war das Schwimmen eine angenehme Abkühlung! Die ersten Tage nach unserer Ankunft war die Zahl der Hotelgäste sehr übersichtlich, was sich schlagartig zu Pfingsten änderte. Auch auf unseren Wandertouren gab es selten Begegnungen mit anderen Wanderern, und in den Tavernen fanden wir immer ausreichend Plätze.

Unsere erste Tagestour begann mit einer kurzen Busfahrt vom Hotel zum kleinen Ort Nikiti. Von hier aus wanderten wir auf einem gut beschilderten Weg in den etwa 300m höher gelegenen Ort Agios Nikolaos , wo wir mittags in einer Taverne unsere Vorliebe für griechischen Salat entdeckten. Unterwegs staunten wir über die herrlich blühenden Vorgärten in Nikiti, erfuhren von unserem Wanderleiter Michael in einer kleinen Kapelle Wissenswertes über die griechische Religion, machten später kurze Rast unter einer riesigen Steineiche. Nachdem wir uns gestärkt hatten, besichtigten wir den kleinen Ort Agios Nikolaos, dessen Ortskern mit vielen blühenden und grünenden Pflanzen geschmückt war. Rückwärts ging es durch Felder, an Gärten und an einer Burgruine vorbei zum Meer. Unterwegs blieben wir oft stehen, um die herrlich blühenden Felder und auch Pflanzenraritäten zu bewundern, z.B. übermannshohes Spanisches Rohr und ganz kleinen Scheiben-Schneckenklee. Nach unserem ausgiebigen Abendessen und einem kleinen Rundgang durch die Hotelanlage trafen wir uns allabendlich in der gemütlichen Taverne bei Maria, hielten Rückschau auf unsere Tagestour, planten die nächste Wandertour und gönnten uns je nach Geschmack einen Ouzo zur Verdauung, griechischen Wein, Bier, Cocktail ....

Unser Wanderleiter Michael, ein sehr guter Kenner des Landes, der Menschen und der Sprache, hat uns jeden Abend mit viel Wissenswertem über Griechenland unterhalten. Wir erfuhren von der Geografie und aus der Geschichte Griechenlands. Das schwierige griechische Alphabet von Alpha bis Omega mit seinen Eigenheiten wurde uns versuchsweise nahegebracht – dazu waren zwei Abende nötig!

Am nächsten Tag wanderten wir vom Hotel aus zur Kapelle des Heiligen Paulus (Agios Pavlos). Sie liegt in 250m Höhe abseits aller Bergdörfer. Der Legende zufolge soll Apostel Paulus an dieser Stelle sehr durstig gewesen sein. Daraufhin spaltete er einen Felsen, aus dem danach frisches Quellwasser floss. Die Quelle wurde eingefasst und daneben eine Kapelle für Paulus errichtet. Wir gingen dann weiter durch Kiefernwälder, am Aussichtsberg Petros vorbei, zum Küstenabschnitt Lagomandra südlich unseres Strandes Elia Beach. Vor dem Rückmarsch stärkten wir uns in einer Taverne und probierten Retsina – ein Weißwein mit Harzgeschmack, durchaus bekömmlich und durststillend.

Die dritte Wanderung war von den Höhenmetern und den steinigen Wegen etwas anspruchsvoller. Von Neos Marmaras aus ging es zunächst einen idyllischen Bachlauf entlang zur Alten Mühle. Danach erfolgte der Aufstieg zum Bergdorf Parthenonas (350m oberhalb von Neos Marmaras). Von hier aus hatten wir einen schönen Blick auf den Ort und auf eine kleine Insel, welche die Form einer Schildkröte hat. Das Dorf Parthenonas wurde zwischen 1920 und 1970 nach und nach von seinen Bewohnern verlassen. Aber glücklicherweise kehrten bereits 1977 die ersten Siedler zurück und restaurierten viele Häuser auf traditionelle Weise. Dadurch entstand eines der schönsten Dörfer der Chalkidiki. Unser Weg führte uns nun direkt in die alte Taverne von Paul, wo uns als Spezialität ein überbackener Ziegenkäse empfohlen wurde. Gut gestärkt ging es einen breiten Weg hinab nach Neos Marmaras. In unserem Hotel fand später ein Griechischer Abend mit vielen kulinarischen Spezialitäten und Folkloredarbietungen statt, auch ein sehr gelungenes Fest.

Am folgenden Morgen fuhren wir mit dem Bus in den Süden Sithonias. Zunächst wanderten wir auf schmalen und steinigen Ziegenpfaden zu einem abgelegenen Ziegenpferch. Gut beraten war man, wenn man trotz der Wärme lange Hosen angezogen hatte, denn das Gestrüpp (die Macchia) war teilweise sehr stachlig und widerspenstig. Wir machten mittags Rast unter Olivenbäumen im grünen Tal eines Baches. Diesen und ähnliche schattige Plätze zum Ausruhen fand unser Wanderleiter bei jeder Tour und bezeichnete sie als „Kraftplatz“. Kraft brauchten wir auch wirklich, denn anschließend ging es unter starker Sonnenbestrahlung abwärts zum Sandstrand bei Toroni. Im Garten der Taverne Angelos ruhten wir uns von der Tour aus, es konnte auch gleich gebadet werden. Der Garten der Taverne liegt direkt am Strand. Hier mündet ein kleiner Fluß, in dem sich viele Wasserschildkröten tummeln – wir haben auch welche gesehen!

Der nächste Tag war kein Wandertag, sondern es war ein Ausflug auf die „Handfläche“ der Chalkidiki vorgesehen. Mit dem Bus fuhren wir zuerst zum Mönchskloster „Arsenios“. Unser Wanderleiter hatte im vorigen Jahr einen Novizen namens Michael aus dem Saarland kennengelernt. Dieser erklärte sich gern bereit, uns Einblicke in die Griechisch-Orthodoxe Religion und in das Mönchskloster zu geben. Wir haben einen hochinteressanten Vortrag gehört und vieles über das Leben, die Arbeiten und die Gebete der Mönche erfahren. Nach dieser eindrucksvollen Führung durch das Kloster ging es weiter über die Berge der Chalkidiki nach Arnea. Dieser Ort wird als „Bilderbuchstädtchen der Chalkidiki“ bezeichnet. Von den aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammenden Herrenhäusern sind etliche sehr gut erhalten bzw. wurden und werden restauriert und modernisiert. Sie haben oft schöne große Balkone, Erker und Obergeschosse, die über die untere Etage vorragen. Beim Rundgang durch Arnea haben wir viele dieser Häuser bewundert.

Ziel unserer vorletzten Wanderung war nochmals der malerische Ort Parthenonas mit Pauls Taverne, aber es ging auf einem anderen Weg zurück nach Neos Marmaras. Es war ein schattiger, teils steiler aber gut begehbarer Weg mit interessanten Wegweisern. Der Dreizack des griechischen Meeresgottes Poseidon zeigte die Richtung an, und so fanden wir den richtigen Weg nach Neos Marmaras.

Da die Sithonia mitten im Ägäischen Meer liegt, ist eine Schiffstour praktisch ein Muss! Was lag in dem Falle näher als eine Fahrt entlang des östlichen Fingers, der geschlossenen Mönchsrepublik Athos mit dem weithin sichtbaren Heiligen Berg (2033m)? Von Ormos Panagias auf der Ostseite der Sithonia ging es entlang der Westküste von Athos nach Ouranopoli auf Athos. Der Zutritt zur Mönchsrepublik ist für Frauen generell verboten, und Männer dürfen nur mit Visum in sehr begrenzter Zahl an Land. Vom Wasser aus sieht man die Klosteranlagen sehr gut, und die Erläuterungen waren ausführlich und gut verständlich. Auf der Insel leben in 20 Klöstern ca. 2300 Mönche. Die Mönche haben das Gelübde der Armut, Keuchheit und des Gehorsams abgelegt. Sie leben nach strengen Fastensregeln, ihr Tagesablauf wird von Gebeten und Gottesdiensten bestimmt. Außer den Mönchen und Novizen gibt es noch zahlreiche griechische Zivilisten, die zeitweise in der Mönchsrepublik leben. Für uns war es ein interessanter Einblick in eine existierende, aber fremde Welt.

Den Abschluss unserer Wanderreise bildete eine Rundfahrt an der Küste der Sithonia entlang kombiniert mit einer Wanderung. Wir verließen den Bus am Südkap und wanderten zunächst einen kurzen steilen Anstieg hinauf zu einer freien Fläche mit Olivenbäumen. Unterwegs sahen wir wieder die in der landesüblichen Art gebauten Ziegenpferche. Von der höchsten Stelle unseres Weges hatten wir nochmals einen schönen Blick auf den Berg Athos, und unten im Tal sahen wir das Ziel unserer Wanderung, den Ort Sikia. Wir mussten allerdings noch durch die Macchia, auf einem langen Serpentinenweg und durch Wiesen laufen, ehe wir in einer schattigen Taverne zu unserer Mittagsrast einkehren konnten. Rückwärts fuhren wir die Uferstraße auf der Ostseite entlang, sahen kleine Orte und ausgedehnte Strände und beendeten mit dieser Tour unsere Wanderungen auf der Sithonia.

Zu Hause werden wir gern an die Wanderungen und Ausflüge, die immer bei sonnigem Wetter stattfanden, zurückdenken. Dank der vielen Fotos bleibt uns diese gelungene Wanderreise im wahrsten Sinne des Wortes in bildhafter Erinnerung.