Wanderung zu interessanten Orten des Holzlandes

am 14.04.2004 mit dem GERAER WANDERVEREIN

* Ausgangspunkt

Start und Ziel war der Parkplatz am Weißen Berg (Landstraße Bad Klosterlausnitz-Jena).

PKW Fahrgemeinschaften ab Gera und zurück.

* Wanderstrecke

Die Wanderung erfolgte in 2 Schleifen:

1. Parkplatz > Tännchen > Rabsburgen > Rabsgrund > Zipfelteiche > Ruttersdorf > Neumühle > Zeitzgrund > Janismühle

2. Janismühle > Ziegenmühle - Bockmühle > Läusegrund > Pechofen > Parkplatz

Gesamtstrecke ca. 20 km, eine Abkürzung durch Weglassen der 2. Schleife wäre möglich gewesen, dann gesamt ca. 12 km.

Zum Mittagessen gab es in der Janismühle Linsensuppe mit Würstchen, extra für die Wanderer zubereitet (nach telefonische Absprache von unterwegs).

Die Wanderung verlief im Bereich des Zeitzgrundes und einiger seiner Nebentäler.

Einige Angaben zur Region:

* Das Holzland

Als "Thüringer Holzland" wird jetzt eine Hochfläche im Ostthüringer Buntsandsteingebiet zwischen Saale und Weißer Elster (Saale-Elster-Buntsandsteinplatte) bezeichnet. Das Holzland, auch "Altenburger Holzland" genannt (es gehörte bis 1918 zum Herzogtum Sachsen-Altenburg), umfasst im engeren Sinne folgende 8 Orte mit ihrer Umgebung: Hermsdorf, Oberndorf, Bad Klosterlausnitz, Weißenborn, Tautenhain,Reichenbach, St.Gangloff und Schleifreisen. Das Holzland bildet die Wasserscheide zwischen Elster und Saale. Das Klima ist rauher als in der Saale- oder Elsterregion. Die Dörfer entstanden als Rodungssiedlungen etwa im 10. bis 12. Jh. Aufgrund des Holzreichtums und wenig Möglichkeit zur Landwirtschaft entwickelten sich für das Holzland typische Tätigkeiten der Holzverarbeitung. Die Region galt als das Zentrum der "Schirrmacher" und "Mullenhauer". Hergestellt wurden Leitern, Rechen, Backmulden, Schlitten, Schubkarren, Treppen und vieles andere Zubehör für Haus und Wirtschaft. Aber auch Pech, Harz und Holzkohle wurden gewonnen. Die Produkte transportierte man in Planwagen bis über die Grenzen Deutschlands hinaus. Auch heute gibt es noch einige Firmen, welche die Tradition der Holzverarbeitung weiterführen. Im 20. Jh. entwickelte sich Hermsdorf zu einem Zentrum der Entwicklung und Fertigung von keramischen Spezialerzeugnissen (Isolatoren, Ferrite, Kondensatoren usw.) und von pulvermetallurgischen Erzeugnissen (Teile aus Wolfram, Molybdän). Aus dem ehemaligen Großbetrieb KWH wurden nach der Wende mehrere kleinere Unternehmen, die weiterhin keramische Erzeugnisse herstellen.

* Der Zeitzgrund

Ein ca. 10 km langes und ca. 50 m tief eingeschnittenes Tal (zum Weißen Berg sogar 150 m) zwischen Hermsdorf und Stadtroda. Es gibt zu beiden Seiten mehrere Seitentäler mit Sehenswürdigkeiten. Bereits Ernst Haeckel beschrieb den Zeitzgrund als herrliches Waldtal. Der Name ist nicht von der Stadt Zeitz abgeleitet, sondern von der früher dort betriebenen Waldbienenzucht, der Zeidlerei. Durch den Grund fließt der Zeitzbach, er entspringt in Hermsdorf und mündet unterhalb des Bahnhofs Stadtroda in die Roda. Im Mittelalter wurde das Wasser des Zeitzbaches nicht nur zum Betrieb der nachfolgend genannten Mühlen eingesetzt, sondern auch zum Flößen von Holz. Im Zeitzgrund stehen noch jetzt die Gebäude von ehemals 6 Mühlen, von denen einige als Ausflugsgaststätten genutzt werden. Ab Hermsdorf:

* Die Bockmühle, seit 1351; bis 1911 als Sägemühle genutzt; heute Pension und Gaststätte

* Die Ziegenmühle, seit 1720; ehemalige Schneidemühle - heute Ausflugsgaststätte

* Die Janismühle, seit 1494; bis 1973 als Getreidemühle in Betrieb - heute Reiterhof, Gaststätte und Pension

* Die Papiermühle, seit 1664; heute ungenutzt

* Die Neumühle, seit 1766; in der DDR Genesungsheim - sie verfällt jetzt

* Die Walkmühle, seit 1672, jetzt landwirtschaftlich genutzt

* Es gab noch die Schleifmühle,die Lumpenmühle und die Kursdorfmühle.

* Der Pechofen

Nachbildung einer mittelalterlichen Produktionsstätte zur Gewinnung von Destillationsprodukten des Holzes bei einer Temperatur bis zu 400 øC (Holzessig,Kienöl,Teer und Pech). Die Gewinnung dieser Produkte zählte zu den typischen Waldgewerben. Der Ofen befindet sich auf dem Gebiet des ehemaligen Dorfes Bleifeld. Die Reste des Ofens wurden 1962 entdeckt; ab 1975 erfolgten Grabungen und die Einordnung als Bodendenkmal. Die Rekonstruktion des Ofens erfolgte 1976 bis 1978 unter Mitwirkung zahlreicher Betriebe und Einrichtungen in ca. 4800 ehrenamtlichen Arbeitstunden. In der Nähe des Pechofens gibt es eine Quelle und ein steinernes Sühnekreuz.

* Weißer Berg

Höchster Berg des Holzlandes (375 m), von dort aus hat man bei günstigem Wetter eine gute Sicht in südlicher Richtung über das Landschaftsschutzgebiet.

* Die Große und Kleine Rabsburg

Auf dem Rabsberg zwischen Zeitzgrund und Rabsgrund standen zwei frühdeutsche Burganlagen. Die Große Rabsburg existierte vom 12. bis 14. Jahrhundert. Sie war Adelssitz und Vasallenburg der Herren von Lobdeburg. Sie wurde 1333 urkundlich erwähnt, als der Verkauf an die Schwarzburger erfogte. Die Kleine Rabsburg (500 m nördlich) wurde 1433 als "Villa Oberdorf" erwähnt, sie gehörte später wahrscheinlich zur Großen Rabsburg. Unterhalb im Rabsgrund befindet sich eine Quelle, die zur Wasserversorgung der Burg diente. Zwischen beiden Burgen soll es einen unterirdischen Gang gegeben haben. Die Burgen wurden vermutlich zum Schutz des Weges im Tal und der benachbarten Handelsstraße angelegt. Die späteren Besitzer beider Burgen sollen den Sagen nach Raubritter gewesen sein. Unter dem Rabsberg und dem Weißen Berg sollen vergrabene Schätze und Weinkeller liegen (Holzlandsagen). Beide Burgen wurden wahrscheinlich schon im 15.Jh. aufgegeben. Die Mauerreste der Großen Rabsburg wurden beim Bau der Bahnlinie Gera-Weimar (1837) weitgehend zerstört, nur ein Teil des ehemaligen Wallgrabens ist noch erhalten.

* Teufelstalbrücke (in einem Seitental-gehört nicht zur Wandersrecke)

Die A4 überquert in ca. 56 m Höhe das Teufelstal. Die Originalbrücke wurde 1936-38 gebaut, sie war damals die größte Einbogen-Massiv-Betonbrücke Europas. 1997-2002 erfolgte im Rahmen des 6-spurigen Ausbaus der A4 die Errichtung von zwei gleichartigen Brücken.