Unsere Wanderung in Jena-Ziegenhain

am 14.08.2010 geführt und berichtet vom Vereinsmitglied D. Hendel

Die Wanderung sollte uns wieder einmal in die Hausbergregion in Jena-Ziegenhain führen. Treff war um 8.15 an der BA in Gera, 10 Wanderfreunde waren erschienen. Mit mehrern PKW fuhren wir über die BAB 4 > AS Jena-Zentrum bis zum Parkplatz am Steinkreuz oberhalb von Ziegenhain.

Start und Ziel war dieser Wander-Parkplatz. Von dort ging es zunächst wieder bergab in den Ortsteil Ziegenhain. Auf einem kurzen Rundgang konnten wir historische alte Gebäude und interessante Hinweisschilder (von der 750-Jahrfeier 2009) besichtigen. Anschließend führte unser Weg wieder aufwärts bis zum Fuchsturm. Beim Frühstück neben dem Turm konnten wir Jena und Ziegenhain von oben betrachten.

Das nächste Ziel war die Wilhelmshöhe (nur von außen), die über den Nordweg erreicht wurde – und über den Südweg kamen wir zurück zum Fuchsturm. Von beiden Wegen hat man schöne Ausblicke auf die Berge um Jena und die Stadt.

In der Fuchsturmbaude gab es ein schmackhaftes Mittagessen in einer schön eigerichteten Gaststube. Nach der Stärkung besichtigten wir die Sammlung der Steinmale am Ende des Geologischen Lehrpfades und die Ausgrabungen der ehemaligen Burg Windberg.

Auf dem Höhenweg ging es zurück zum Parkplatz. Die zurückgelegte Stecke war ca. 10 km lang. Nach den Regentagen vorher hatten wir am Tag unserer Wanderung Glück - es blieb wolkig, aber trocken mit angenehmen Temperaturen bis ca. 22 °C.

Kurze Angaben zur Region und der Strecke

Muschelkalkberge um Jena

Die Muschelkalkberge sind Reste von Ablagerungen aus dem Meer vor ca. 200 Mio. Jahren. Die seitlichen Hochflächen liegen annähernd in gleicher Höhe (ca. 400 m); die Saale und ihre Zuflüsse haben sich im Laufe vieler Jahre in die Hochflächen eingeschnitten, es gibt zahlreiche Seitentäler. Auf dem kalkhaltigen Untergrund mit gutem Wärmespeichervermögen wachsen viele kalk- und wärmeliebende Pflanzen. viele davon sind geschützt. Der langgezogene Bergrücken der Wöllmisse beginnt am östlichen Rand Jenas und erstreckt sich zwischen dem Rodatal und dem Gembdental bis kurz vor Bürgel.

Nach Jena hinein ragen 3 Ausläufer der Wöllmisse:

- die Kernberge (bis 375 m) mit steil abfallenden Wänden nach Jena

- der Johannisberg (bis 373 m) ebenfalls mit steil abfallenden Wänden nach Jena

- der Hausbergrücken (Windberg bis 392 m) mit Resten von 4 Befestigungsanlagen, weniger steil

Steinkreuz

Es dient seit etwa 1770 als Wegweiser auf dem Plateau der Wöllmisse oberhalb des Ortsteiles Ziegenhain

Ziegenhain

Der jetzige Ortsteil von Jena wurde erstmalig 1259 in einer Urkunde des Burggrafen von Kirchberg erwähnt; Ende April/Anfang Mai 2009 war die Festwoche zur 750-Jahr-Feier. Die Eingemeindung zu Jena erfolgte 1912. Der Ort wurde im Mittelalter durch Wallfahrten bekannt Es gab im 14. Jh. eine kleine Kapelle, dort verehrte man ein Marienbild (es existiert nicht mehr). 1424 wurde durch den Burggrafen Albrecht III. der Bau einer neuen Kapelle veranlasst - es entstand die jetzige Marienkirche, ein gotischer Bau aus Muschelkalk. Das Langhaus blieb unvollendet, weil die Bauarbeiten nach Einführung der Reformation beendet wurden. Der quadratische Turm entstand als Schutz für die Bevölkerung vor den Folgen des Sächsischen Bruderkieges 1446 - 1451. Wertvoll in der Kirche ist der Pyramiden-Kanzelaltar von 1694, eine seltene Altarvariante (Kanzelkorb unter einem pyramidenförmigen Baldachin). Die Orgel wurde 1764 eingeweiht. Ab dem 19. Jh. kamen die als "Ziegenhainer Knotenstock" kekannten Wanderstöcke aus dem Holz der Kornelkirsche (Cornus mas) auf. Sie wurden zuerst von Studenten benutzt. Die Gaststätte "Zum Ziegenhainer" ist nach diesen Stöcken benannt; sie wurde bis 1987 als Ratskeller bewirtschaftet.

Der Fuchsturm oberhalb Ziegenhain, eines der sieben Wunder Jenas

Rest (Bergfried) der ehemaligem Kaiserpfalz Kirchberg (mittlere Burg, 937 urkundl. erwähnt) auf dem Hausberg. Die Burg diente 974 bis 1009 als Kaiserpfalz, hatte aber auch eine missionarische Bedeutung (Bekehrung zum Christentum). Ab 1149 gab es die Burggrafen von Kirchberg, sie stammten aus Kapellendorf. Die Kirchberger errichteten 1279 eine weitere Burg Windberg (auch Wintberg). Weiterhin gab es auf dem Hausberg noch die Burg Greifberg (1156 erwähnt). Weil die Burggrafen von Kirchberg den Verkehr auf der im Tal vorbeiführenden wichtigen Handelsstraße Erfurt - Meißen mehrfach störten, kam es 1304 zu einer militärischen Aktion. Truppen der Städte Jena, Erfurt, Mühlhausen und Nordhausen unter Führung des Thüringer Landgrafen sowie der Grafen von Orlamünde und der Herren von Lobdeburg belagerten die 3 Burgen und erstürmten sie. Greifberg blieb erhalten - Kirchberg und Windberg wurden zerstört, aber nur Windberg wieder aufgebaut. Die erhaltenen Burgen gingen in den Besitz des Thüringer Landgrafen über; ab dem 15. Jh waren sie nicht mehr bewohnt und verfielen. Die Steine dienten als Baumaterial. Die Fuchturmgesellschaft wurde 1861 gegründet. Das Gasthaus wurde 1868 errichtet und 1966 erweitert. Unweit des Fuchsturms auf dem Windberg sind die geologischen Steinmale zu besichtigen - eine Sammlung von Steinen aus ganz Thüringen und aus verschiedenen Erdzeitaltern.

Wilhelmshöhe

Eine Ausflugsgaststätte am westlichen Ausläufer des Hausberges. Das Haus wurde 1860 als Wohnhaus mit 2 Gaststuben gebaut. Benannt ist die Gaststätte nach dem ehemaligen Wirt in der 2. Hälfte des 19. Jh., Wilhelm Kramer, dem "Groben Wilhelm", einem der damaligen Jenaer Originale. Das Haus in der jetzigen Form entstand 1988.