Malta und Gozo – Inseln zwischen Europa und Afrika

Nachdem wir im Jahre 2006 die Wachau besucht und bewandert hatten, zog es uns in diesem Jahr etwas weiter nach dem Süden. Unsere Wanderreise führte uns vom 20.04. – 02.05.2007 zum Maltesischen Archipel mit den Inseln Malta, Gozo und Comino. Unsere Reisegruppe bestand vor allem aus Mitgliedern des Geraer Wandervereins und Gästen anderer Wandervereine, insgesamt 25 Personen. Von Frankfurt aus flogen wir zum Malta International Airport. Malta ist 27 km lang und 15 km breit, Gozo nur 14 km lang und ca.7 km breit. Die Inseln liegen zwischen Sizilien und Tunesien , Gozo liegt 6 km nordwestlich von Malta.

Beim Bustransfer vom Flughafen zum Fährhafen Cirkewwa fielen uns zuerst der für Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftige Linksverkehr, die karge, fast baumlose Landschaft und die eigenartige Schreibweise der Ortschaftsnamen auf. Es gibt nämlich auf den Inseln drei Amtssprachen: das Malti, eine Sprache mit arabischen Einflüssen, aber mit lateinischen Schriftzeichen, das Englisch, durch die Zugehörigkeit zum Commonwealth bis 1964 bedingt und das Italienisch. Die maltesischen Schüler lernen meist zwei Sprachen und tragen in Anlehnung an Großbritannien oft Schuluniformen.

Vom Fährhafen Cirkewwa auf Malta gelangten wir nach Mgarr auf Gozo. Zwischen den beiden Inseln herrscht regelmäßiger Fährverkehr. Durch die günstigeren Grundwasserverhältnisse ist auf Gozo fast überall eine Bewässerung möglich. Daher wird Gozo im Vergleich zu Malta auch die „grüne Insel“ genannt. Dieses Grün ist natürlich weit davon entfernt, was wir unter grüner Landschaft verstehen. Die Insel Gozo besteht aus kleinen Ansiedlungen mit dörflichem Charakter. Haupterwerbszweige sind die Landwirtschaft, die Meersalzgewinnung und der Kalksteinabbau. Mehr und mehr gewinnt auch der Tourismus an Bedeutung. Es gibt auf Gozo noch keine überlaufenen Ferienorte, es ist überall ruhig und sehr ländlich. Unsere Wandergruppe gelangte mit einem Bus vom Hafen Mgarr nach Xlendi zu unserem Hotel direkt an der Xlendi Bay. Wenn wir auf der Terrasse vor dem Hotel saßen, hatten wir einen sehr schönen Blick auf die Bucht mit Bademöglichkeit. Die vier Tage auf Gozo waren ausgefüllt mit Wanderungen z.B. zu wunderschönen Stränden und beeindruckenden Steilküsten (150m hoch).

Eine Tour führte uns durch die Tempelanlage von Ggantija zur Ramla Bay, einem der schönsten Sandstrände der Insel Gozo. Das Meer und der Strand luden trotz niedriger Wassertemperatur zum Baden ein. Am Folgetag bekamen wir nochmals die Möglichkeit zur Besichtigung der Tempelanlage von Ggantija und erhielten genaue Erläuterungen über das Alter, die Errichtung und die Bedeutung dieses Megalith-Tempels (ca. 5500 Jahre alt). In der Hauptstadt Rabat (Victoria) besuchten wir vor allem die Zitadelle mit diversen Museen. Mittagseinkehr hielten wir in dem urigen Restaurant Ta´Ricardu, wo wir uns bei landestypischem Brot, Tomaten, Oliven, Käse und viel Wein für die anstehende Stadtbesichtigung stärkten. Eine weitere beeindruckende Küstenwanderung fand am letzten Tag unseres Aufenthaltes auf Gozo statt. Von Marsalforn aus ging es entlang der Xwejni Bay, an der noch bewirtschaftete Salinenfelder liegen, vorbei an bizarren Felsbögen und Meereshöhlen zum Blauen Fenster und zum mystischen Fungus Rock. Unterwegs sahen wir einen Steinbruch, in welchem große Kalksteinquader herausgesägt wurden – eine schwere, staubige Arbeit zur Gewinnung des Baumaterials, das überall auf den Inseln verbaut wird. Genauere Informationen über die Gewinnung des Malta-Kalksteins erhielten wir bei einem Ausflug zum stillgelegten Steinbruch bei Siggiewi (Freilichtmuseum Limestone Heritage).

Das Wandern quer über die Insel Malta war natürlich auch das vordergründige Anliegen unserer Reise, aber Besichtigungen der Hauptstadt Valletta, der alten Städte Mdina und Rabat sowie weiterer Tempelanlagen sind ein Muß für die Besucher von Malta, auch für Wanderer. An der Filmkulisse Popeye Village kamen wir auf unseren Wandertouren mehrmals vorbei. Zu einem besonderen Erlebnis konnten wir die Tagestour rechnen, die uns zunächst zur Blauen Grotte (Bootsfahrt dahin), zu den Tempelanlagen von Hagar Qim und Mnajdra, weiter an der Steilküste entlang zu den Dingli Cliffs und abschließend zum einzigen Waldgebiet auf Malta, den Buskett Gardens, führte. In Valletta konnten wir z.B. die Hafenanlagen, die St.-Johns-Kathedrale, das Archäologische Museum, den Großmeisterpalast bestaunen, der heute Sitz des Parlaments der Republik Malta ist. Bei allen Führungen wurden wir immer wieder auf die Ordensritter hingewiesen, die aus verschiedenen Ländern kamen und die eine immense Bedeutung für Malta haben. In der alten Hauptstadt Mdina mit ihrer geschlossenen Stadtmauer und den verwinkelten Gässchen hatten wir den Eindruck, in vergangene Jahrhunderte zurückversetzt zu sein.

Ähnlich ging es uns im benachbarten Rabat in der St.-Pauls-Kirche mit der Paulus-Grotte und den unterirdischen Katakomben. Im Inneren der Insel Malta wurde uns noch ein besonderes „Kleinod“ vorgestellt: die Kuppelkirche Rotunda von Mosta, welche die viertgrößte Kuppel Europas besitzt. Wir bedanken uns sehr herzlich bei unserer Reiseleiterin Rita von „Wikinger individuell“ für ihre freundliche und kompetente Führung durch die Inseln. Wir konnten oft nur staunen, wie sie den richtigen Einstieg in die Wanderwege fand, obwohl weit und breit kein Wegweiser zu sehen war. Durch die Kombination von Wanderungen und Besichtigungen mit fachkundiger Anleitung haben die Mitglieder unserer Wandergruppe wieder ein Land kennengelernt, das uns vor allem durch seine bizarre Natur und die uralten Kulturstätten in langer Erinnerung bleiben wird.

Sibylle Kühlich, Geraer Wanderverein e.V.