Auf ins Land der Fjorde, Trolle und der Mitternachtssonne

Unter diesem Motto stand die diesjährige verlängerte Wanderwoche des Geraer Wandervereins e.V..

Wie bei vielen Ausflügen in den vergangenen Jahren wurde die Gruppe unserer eigenen Wanderfreunde durch Gäste des Elstertalvereins Gera, Wanderfreunde aus Nürnberg, Dresden, Weimar, Jena... bereichert. So kamen wir auf 36 Teilnehmer, von denen der größte Teil am Dienstag, dem 02.07.02, um 4.00 Uhr auf dem Geraer Busbahnhof stand und auf den Reisebus von „Wikinger individuell“ wartete. Unterwegs in Richtung Kiel nahmen wir die Wanderfreunde aus Jena und Weimar mit. Die Fahrt verlief reibungslos, ohne Staus, und in Hannover stieg unser Reise- und Wanderleiter zu. In Kiel am Skandinavienkai angekommen, konnten wir ohne große Wartezeiten an Bord der Fähre „Kronprinz Harald“ gehen, unsere Übernachtungskabinen beziehen und bis zum Auslaufen aus dem Kieler Hafen Erkundungsgänge auf dieser riesigen Fähre unternehmen. Ziel der Fähre war der Hafen von Oslo, unser eigentliches Ziel aber war das ca. 300 km nördlich von Oslo gelegene Hövringen, ein kleiner Ort im Rondane Nationalpark. Hövringen war Ausgangsort für unsere geführten Wanderungen und Ausflüge. Unser Wanderleiter hatte sich für die Wanderungen eine „Dramaturgie“ ausgedacht, die allenfalls vom Wetter hätte durcheinander gebracht werden können. Wir waren sehr gespannt darauf!

Kurz zurück zur Fähre in Kiel, denn bei solch einer langen Anreise ist auf alle Fälle auch der Weg das Ziel! Das Auslaufen des Schiffes aus der Kieler Bucht wollten wir Landratten natürlich an Deck erleben. Leider war es an diesem Tag etwas feucht und diesig, aber das Marinedenkmal von Laboe und das am Strand aufgebaute U-Boot konnten wir gut sehen. Mit besonderer Vorfreude sahen wir dem skandinavischen Büffet entgegen, denn einige unserer Wanderfreunde hatten es bereits im Jahre 1995 auf der Fährüberfahrt von Kiel nach Göteborg genossen und schwärmen heute noch davon. Auch diesmal waren wir von beiden Mahlzeiten an Bord begeistert, vor allem von der reichen Auswahl an Fisch.

Am nächsten Tag sind wir bei herrlichem Sonnenschein und frisch gestärkt in den Oslofjord hineingefahren, und die Fähre hat ganz pünktlich angelegt. Nach der Ausschiffung erlebten wir eine 3-stündige Stadtrundfahrt durch Oslo. Die Stadtführerin gab sich viel Mühe, den Bus durch den Verkehr zu lotsen und uns möglichst viel von Oslo zu zeigen: Akershus Festung mit Schloss, Vigelandpark, Holmenkollen Sprungschanze, königliches Schloss... Die Rundfahrt war eine gute Anregung für einen späteren Oslo-Besuch.

Nun folgte eine sehr schöne Busfahrt entlang der E6 in Richtung Trondheim. Wir fuhren am Mjösa-See, dem größten See Norwegens entlang, sahen von weitem die Eislaufhalle von Hamar, später die Silhouette von Lillehammer, bis wir schließlich unser Ziel erreichten. Die letzten 8km aus dem Gudbrandsdal ins ca. 900m hoch gelegene „Hogfjellshotell“ in Hövringen waren eine Serpentinen-Strecke.

Das familiengeführte Hotel machte von außen und innen einen sehr guten Eindruck. Die Bewirtung war ebenso gut wie die Unterbringung. Über den Ort selbst kann man sich unter www.hovringen.no informieren. Von hier aus unternahmen wir also vier sehr schöne Wanderungen und zwei Ausflugsfahrten.

Der Rondane Nationalpark ist im Sommer und Spätsommer ein beliebtes Wandergebiet, im Winter ein gutes Skigelände sowie eines der schönsten und beliebtesten Gebirge Norwegens. Unsere Wanderungen führten über weite geröllartige Flächen, kleine Felder verharschten Schnees, zu alten Steinhütten. Wir wanderten auf dem Weg zur Peer-Gynt-Hytta lange Strecken über steiniges Gelände mit „Landkarten-Steinen“. Vor der Peer-Gynt-Hytta überquerten wir eine tiefe, schmale Schlucht mit einem tosenden Gebirgsbach, über den eine Hängebrücke führte.

Eine andere Wanderung führte uns zum Anaripigg (1200m), auf dieser Strecke beeindruckten uns die Vielfalt der Moose und Flechten und die kleinen lichten Birkenwäldchen. Wir haben mit jeder Wanderung eine andere herrliche Landschaft erlebt. Die Wanderungen selbst hatten maximal 500m Auf- und Abstieg, waren aber wegen des steinigen, geröllartigen Geländes oft anstrengend zu laufen.

Weitere Höhepunkte unserer Reise waren die beiden Ausflugsfahrten. Die erste führte über Lom, wo wir eine der typischen Stabkirchen Norwegens besichtigten (leider nur von außen), zum Geirangerfjord und zu den Trollstigen.

Auf dem Geirangerfjord, einem der schönsten Fjorde Norwegens, hatten wir eine Bootsfahrt gebucht. Leider regnete es ab und zu, so dass die aus dem Wasser herausragenden, teilweise mit Bäumen bewachsenen Felsen im Nebel verschwanden. Trotzdem bestaunten wir die aus großer Höhe herabstürzenden Wasserfälle sehr. Auf der Weiterfahrt mit dem Bus hatten wir die Gelegenheit, den tiefen Einschnitt des Wassers in die Felsen von oben zu sehen, die Boote auf dem Fjord wirkten wie Spielzeug. Was wir am Fjord an Höhe gewonnen hatten, ging es bei den Trollstigen wieder abwärts – eine echte Herausforderung für jeden Busfahrer!

Die Trolle sollen sich der Sage nach unter den Steinplatten verstecken und nur nachts hervorkommen. So haben wir keine Trolle „leibhaftig“ gesehen, jede Menge und alle Sorten gab es in den Souvenirläden.

Die zweite Busfahrt hatte für einen Teil unserer Gruppe Lillehammer als Ziel. Wir besichtigten die Stadt und die Sportstätten. Lillehammer ist eine kleine beschauliche Stadt mit Bergen, Seen und Flüssen und hat durch die Ausrichtung der Winter-Olympiade 1994 sehr an Popularität gewonnen, wovon die Stadt in jeder Hinsicht profitiert.

Der andere kleinere Teil unserer Gruppe hatte an diesem Tag eine schwierige zusätzliche Wanderung ins Auge gefasst. Diese Wanderfreunde zog es magisch auf den höchsten Berg Norwegens, den Galdhöpiggen (2469m) im Jotunheimen Nationalpark gelegen. Sie fuhren mit einem Kleinbus bis zum Fuß des Berges nach Spiterstulen. Der Aufstieg (ca. 1400 Höhenmeter) wurde durch ausgedehnte Schneefelder erschwert. Durch Schneesturm und Nebel auf dem Gipfel hatten wir nicht den erhofften Rundblick über die umliegende Bergwelt. Trotzdem waren alle froh, dass sie diese Herausforderung so gut bewältigt hatten.

Mit diesen Höhepunkten war nun das Ende unserer Wanderreise erreicht, und alle wären gern noch viel länger im landschaftlich so herrlich gelegenen Hövringen geblieben. Der Rondane Nationalpark ist für alle Wander- und Naturfreunde eine Reise wert, wir können das Gebiet wärmstens empfehlen! Unsere Reisezeit (02.07. – 11.07.02) war optimal gewählt, denn bei Sonnenschein wurde es erst gegen 23.00Uhr oder später dunkel. So hat uns die Mitternachtssonne die Stunden des Tageslichts fast verdoppelt!

Sibylle Kühlich, Geraer Wanderverein e.V.