Saas-Almagell - die südlichste Gemeinde des Saastals

Unsere alljährliche Wanderwoche führte uns vom 10. – 17. August 2008 in die herrliche Bergwelt der Schweiz, ins sonnenverwöhnte Wallis. Die recht lange Strecke von Gera nach Saas-Almagell (ca. 850 km) bewältigten wir mit einem bequemen Reisebus von Marhold-Reisen. Wir erreichten das am Ortseingang gelegene Wander- und Ferienhotel Kristall-Saphir rechtzeitig zum Abendessen. Zu unserer Reisegruppe gehörten Mitglieder des Geraer Wandervereins sowie befreundeter Vereine, so dass wir insgesamt 37 Wanderfreunde waren. Wir hatten diesmal beschlossen, die Wandertouren und Ausflugsziele individuell oder unter Leitung der Geraer Wanderleiter durchzuführen, weil wir uns im deutschsprachigen Gebiet aufhielten und die Schweiz für gute Ausschilderung bekannt ist. Rückblickend können wir auch einschätzen, dass diese Entscheidung richtig war.

Das Hotel Kristall-Saphir ist seit Generationen im Familienbesitz. An einem Abend lud die Seniorchefin zum Lichtbildervortrag ein. Sie stellte uns das Saastal mit den verschiedenen Orten vor, wies auf die Geschichte, die Eigenheiten der Natur, das harte Leben der Bergbauern in der Vergangenheit usw. hin und zeigte uns viele lohnende Wanderziele in der Umgebung.

Den Tag nach unserer Ankunft gestalteten wir individuell zum Eingewöhnen. Einige besichtigten den Ort Saas-Almagell (1673m), die jüngeren Wanderfreunde nahmen sich gleich eine anspruchsvolle Tour vor, und wir gingen vom Ortsausgang Zermeiggern einen ständig ansteigenden Waldweg entlang, dann über kleine Gebirgsbäche und Almweiden zum Gasthof Furggstalden (1887m). Bei der freundlichen Wirtin machten wir Rast und stärkten uns für den Rückmarsch durch den Waldlehrpfad hinunter in den Ort.

Unser erster gemeinsamer Ausflug führte vom Hotel aus über Bodmen zum weltbekannten Gletscherdorf Saas-Fee, welches auf einem Hochplateau in 1800 m Höhe liegt. Nach einem Rundgang durch den Ort kamen wir zur Talstation der Bergbahn zum Hannig (2350m). Oben angekommen teilte sich unsere Gruppe: manche blieben auf dieser Höhe und fuhren mit der Bergbahn zurück, andere gingen einen interessanten Weg hinab in den Ort, und unsere Gipfelstürmer zog es hoch zum Mällig (2700m). Da starker Wind aufkam, wurde die Bahn außer Betrieb gesetzt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt mussten also alle bergab laufen. Ungefähr zur Hälfte unseres Abstieges trafen wir auf einen „alternativen Senner“, der u.a. Ziegen, Schweine, Hühner hielt und eigentlich aus Bayern kam. Wir machten auf seiner kleinen Terrasse Pause, und er bewirtete uns mit Kaffee, wahlweise mit Ziegenmilch. Er hatte aber auch noch andere Getränke! Wir unterhielten uns recht nett mit ihm, und er fragte nach unseren Plänen für diese Woche. Als wir antworteten, dass wir nach Zermatt und zum Gornergrat fahren wollen, meinte er: „Wollt’s euch das wirklich antun?“

Am übernächsten Tag haben wir uns den Ausflug tatsächlich angetan. Unsere Wirtsleute hielten das Wetter für günstig, um das Matterhorn (4478m) ohne Wolken zu sehen. Mit unserem Bus ging es nach Täsch, hier musste der Bus bleiben. Wir aber stiegen in den Zug nach Zermatt um, von dort aus in die Gornergratbahn. Vom Gornergrat (3100m) aus hatten wir einen herrlichen wolkenfreien Blick auf den Gipfel des Matterhorns. Das musste natürlich unbedingt fotografiert werden, zumal er später am Tag völlig in den Wolken verschwunden war. Die meisten Wanderfreunde haben die Gelegenheit genutzt, auf der Rückfahrt an Zwischenstationen auszusteigen bzw. auch eine Strecke zu wandern, z.B. an der Station Rotenboden zum Riffelsee. Abschließend hatten wir noch Zeit für einen Stadtrundgang durch Zermatt, dann trafen wir uns in Täsch an unserem Bus und fuhren durch das Mattertal zurück ins Saastal.

Eine schöne Wandertour fand unter Leitung des Seniorchefs des Hotels statt. Diese führte vom Stausee Mattmark über die Distelalp und Tälliboden durchs Ofental zurück zum Staudamm. Die Tour war von den Höhenmetern nicht so anstrengend, aber wegen der steinigen Pfade musste man sehr auf die Trittsicherheit achten. Unsere Gipfelstürmer stiegen am selben Tag zum Monte-Moro-Pass (2853m) auf. Dieser Pass, auch Walserweg genannt, wird als historischer Weg von nationaler Bedeutung eingestuft, denn er verbindet das Saastal mit der Walsersiedlung Macugnaga. Leider hatten unsere Wanderfreunde nicht die tolle Aussicht, die sie sich gewünscht hätten, doch positiv gesehen war eben der Weg das Ziel. Am Abend erlebten wir auf dem Dorfplatz in Saas-Almagell noch ein Gästekonzert mit diversen Volksmusikern aus der Umgebung. Diese Aufführungen rundeten den erlebnisreichen Tag musikalisch ab.

Am vorletzten Tag unseres Aufenthaltes hatten sich etliche Wanderfreunde eine Fahrt mit der Metro-Alpin, der welthöchsten unterirdischen Standseilbahn zum größten Eispavillon der Welt vorgenommen. Danach ging es noch höher zum Drehrestaurant auf dem Allalin (3500m). Leider war der Rundblick auf die umliegenden Viertausender wegen schlechter Sicht nur kurzzeitig gegeben, aber allein die Fahrt und die Besichtigung des Eispavillons waren diesen Ausflug wert.

Was im Tal am späten Nachmittag als Regen herunterkam, das fiel auf den hohen Bergen natürlich als Schnee. Davon profitierten wir auf unserer letzten Tour: Wir fuhren von Saas-Grund nach Hohsaas (3300m). Von der Bergstation aus stapften wir durch den Neuschnee auf dem Themenrundweg „18 Viertausender“. Auf Tafeln konnte man die Umrisse des jeweiligen Berges sehen, und dazu wurden Besonderheiten der Berge erklärt. Idyllische kleine Bergseen lagen auch an dem Rundweg. Mit der Bergbahn ging es von Hohsaas abwärts zum Kreuzboden (2400m). Wir wanderten den Höhenweg Kreuzboden zur Almagelleralp, hier brauchte man unbedingt intakte Wanderstiefel. Am Anfang der Strecke gingen wir die Alpenblumen-Promenade entlang, dann kam der steinige Teil, und bis zur Stärkung im Berghotel „Almagelleralp“ verfolgten wir einen angenehmen Wanderweg mit wunderschönen Ausblicken auf die Orte Saas-Fee, Saas-Almagell, Saas-Grund sowie den Mattmark-Stausee mit dem Bergmassiv zur italienischen Grenze hin. Rückwärts zu unserem Hotel in Saas-Almagell führten mehrere Wege. Den ersten Teil gingen wir gemeinsam, später „kletterten“ einige Wanderfreunde über den Erlebnisweg Almagellerhorn mit gut gesicherten Felsquerungen und zwei über 60 m langen Hängebrücken in Richtung Furggstalden. Hier waren Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefragt. Die andere Gruppe nahm den direkten Weg nach Saas-Almagell, der aber auch seine Schwierigkeiten hatte. Im Hotel angekommen, erwartete uns wieder ein ausgezeichnetes Abendmenü, diesmal mit der Walliser Spezialität Raclette mit diversen Vor- und Nachspeisen.

Nach diesem herrlichen Wandertag fiel uns der Abschied aus dem landschaftlich so schön gelegenen Saastal noch schwerer. Wir bedanken uns vielmals bei unseren Geraer Wanderführern, die alle Berg- und Talwanderungen wie auch Ausfahrten zu einem Erlebnis werden ließen. Ein Dank gilt ebenfalls unserem Busfahrer Hansi von Marhold-Reisen, der uns auf unseren Wanderreisen schon mehrfach sicher und angenehm hin- und zurückbefördert hat.

Sibylle Kühlich