Wanderung in Zeitz am 19.06.2010 mit dem Geraer Wanderverein unter dem Motto "Vergangenheit und Gegenwart in Zeitz"

am 19.06.2010 geführt und berichtet vom Vereinsmitglied D. Hendel

In unserer Nachbarstadt Zeitz sollte das Wandern mit der Besichtigung von Sehenswürdigkeiten verbunden werden. Mit PKW ging es über die neue B 2 bis zum Parkplatz am Bahnhof Zeitz. Start war ca. 9.00 Uhr. Zunächst führte uns der Weg parallel zur Elster bis zum Sportplatz, dort über die Fußgängerbrücke und am Tierheim und der Molkerei vorbei hinauf zum Kloster Posa. Auf einem kleinen Rundgang besichtigten wir die Gebäude (nur von außen möglich) und den Klostergarten.

Das vereinbarte Frühstück gab es gleich nebenan bei Familie Hörig im Weinhof Kloster Posa. Es wurde ein langes Frühstück, denn Herr Hörig konnte uns viel Interessantes berichten über den Weinanbau in der Region allgemein und über seine erfolgreichen Bemühungen zur Weiterführung der alten Tradition der Benediktinermönche. Auf dem Weinhof werden mehrere Sorten Weißwein und Rotwein angebaut. Daher wurde das Frühstück mit einer Weinprobe abgeschlossen.

Danach ging es zunächst durch den Weinberg in den Fockendorfer Grund und durch Straßen der Altstadt zum Mittagessen im Restaurant Rosso am Roßmarkt. Anschließend nahmen wir an einer Führung durch das "Unterirdische Zeitz" teil, denn diese Stadt ist nicht nur über der Erde interessant, sondern auch unterirdisch. Deshalb sollten sich Besucher von Zeitz diese unterirdische Wanderung (nur mit Führung möglich) nicht entgehen lassen.

Zum Abschluß erfolgte ein kleiner Rundgang zu Resten der Stadtbefestigung und an der Moritzburg vorbei kamen wir wieder zum Startpunkt. An dieser Veranstaltung bei angenehmen Wetter nahmen 9 Wanderfreunde teil. Die Streckenlänge betrug ca. 10 km.

Kurze Angaben zur Region

Einiges über die Stadt Zeitz

Die Entstehung wird etwa im 6. Jahrh. vermutet als slawische Siedlung. 967 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung, als Kaiser Otto I. in einer Urkunde der Synode zu Ravenna die Siedlung zum Bischofssitz erhob (zusammen mit den Bistümern Merseburg und Meißen und dem Erzbistum Magdeburg). Ab 968 gab es das Bistum Zeitz. Auf dem Gelände der jetzigen Moritzburg wurde eine Bischofsburg mit einem Dom errichtet. Im Schutze der Burg entstand die Unterstadt am Rande einer alten Handelsstraße. Ab dem 12. Jh. entwickelte sich die Oberstadt, weil durch den Zuzug von Bauern, Handwerkern und Kaufleuten der Platz in der Unterstadt nicht mehr ausreichte. Im 11. Jh. wurde der Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg verlegt, es gab dann das Bistum Zeitz-Naumburg.

Im 16. Jh. endete die Herrschaft der Bischöfe. Nach dem Tode des letzten Zeitzer Bischofs 1564 gelangte Zeitz zum Kurfürstentum Sachsen, Linie der Albertiner. An der Stelle der 1644 im 30-jährigen Krieg zerstörten Bischofsburg wurde 1657-1678 die jetzige Moritzburg erbaut. Sie war Sitz des Herzogs Moritz d. Linie Sachsen-Zeitz. Das Herzogtum, entstanden durch Erbteilung, gab es von 1657 bis 1718. Ab 1815 gehörte Zeitz auf Beschluss des Wiener Kongresses zum Königreich Preußen.

In der Stadt gibt es zahlreiche historische Gebäude verschiedener Baustile, z.B. die Michaeliskirche (1154 erwähnt) als ehemaliges Zentrum der Oberstadt oder das Rathaus (1505 bis 1509 erbaut), sowie ganze Straßenzüge alter Gebäude. 1974 wurde das Zentum der Oberstadt als Fußgängerzone umgestaltet.

Kloster Posa

Das Kloster Posa befindet sich auf einer kleinen Anhöhe am nordöstlichen Stadtrand von Zeitz. Die Gründung des Klosters erfolgte 1114 durch Bischof Dietrich I. als Benediktinerkloster. Bis 1122 wurden Kirche und Klostergebäude errichtet. Das Abtshaus entstand etwa 1170 wahrscheinlich als Speicher und Lagerhaus für Wein. 1550 wurde der Klosterstatus aufgehoben, danach erfolgte eine landwirtschaftliche Nutzung. Die Klosterbibliothek gelangte 1573 nach Schulpforta und bildete den Grundstock für die dortige Bibliothek. Nach 1945 war Posa bis in die 70-er Jahre Volkseigenes Gut. Seit 2000 gehört das Gelände der Stadt Zeitz.

Weinanbau

Der Weinanbau in der Region Zeitz entstand während der Gründung der Bistümer in der Zeit der Ottonen (10. Jh.). Zur Zeit August des Starken soll der Zeitzer Wein zu den besten Weinen Sachsens gehört haben. Bis 1776 bestand der Weinanbau in und um Zeitz mit bis zu 40 Weinbergen. Auf dem Klosterberg wurde 1997/98 durch die Familie Hörig der Weinanbau wieder aktiviert, es gibt jetzt dort einen Weinhof. 2004 wurde eine Weinroute an der Weißen Elster als Radwanderweg (ca. 17 km) vom Kloster Posa bis Wetterzeube eröffnet. Die Region gehört zum Anbaugebiet Saale-Unstrut.

Unterirdisches Zeitz

Im Mittelalter wurden unter den Häusern der Oberstadt zur Lagerung von Bier und Wein Gänge und Nischen in den Buntsandstein gegraben, zum Teil in mehreren Etagen untereinander. Sie entstanden ab dem 14. Jh., die meisten während der Blütezeit des Brauwesens im 15. und 16. Jh. Im 2. WK wurden die meist isolierten Hohlräume durch Gänge verbunden, um sie als Luftschurtzkeller zu nutzen. Seit 1990 gibt es den Verein "Unterirdisches Zeitz", der für die Beräumung und Vermessung des Gangsystems sorgte und sich um die Pflege und Unterhaltung kümmert. Das Führungsgangsystem wurde zum 1025-jährigen Jubiläum von Zeitz eingeweiht (1992) und hat eine Länge von ca. 700 m.

Stadtbefestigung

An verschiedenen Stellen finden sich Reste der gemeinsamen Stadtbefestigung von Unter- und Oberstadt. Die Befestigung entstand im 12. Jh, im 15. und 16. Jh. erfolgten Modernisierungen. Die steinerne Mauer war bis 6 m hoch und insgesamt 6 Stadttore sorgten für einen Zugang zur Stadt. Im 19. Jh. wurden wegen der Erweiterung der Stadt alle Tore und ein Teil der Stadtmauer abgerissen. Neben Mauerresten sind auch einige Türme erhaltem geblieben und wurden restauriert.
Der erhaltene Steintorturm wird als erster steinerner Turm der Stadtbefestigung angegeben (1378 erwähnt).